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Meine Erfahrung mit Paddy, Chronik einer Krankheit

Ich möchte mich hier über meine Erfahrung mit Paddy ausschreiben, da wir darüber vor kurzem gesprochen hatten, es aber nicht zu Ende bringen konnten.

Es fing alles damit an, dass Paddy öfters mal über Kopfschmerzen plagte. Ich dachte mir nichts dabei, da ich auch oft davon betroffen bin und das eigentlich jedem mal so geht. Es wurde aber immer öfter und hielt wohl auch länger an. Zuerst glaubte ich einfach, dass Paddy übertreibt. Es gibt ja so einige Menschen, die mit normalen Kopfschmerzen nicht klarkommen und dann gleich rumheulen müssen. So nahm ich das einfach alles so hin.

Eines Tages musste er sich auf einmal hinsetzen, weil ihn ein Schwindelgefühl überkam, ihm wurde schlecht und er beklagte sich laufend über die Sonne, weil sie so hell war. Es war nicht mal wirklich hell, es war indirektes Licht durch die Wolken. Grauwetter in Deutschland eben. Ich konnte gar nicht begreifen, was ihn da jetzt so tierisch störte. Stirnrunzelnd ging ich weiter neben ihm her und versuchte nachzuvollziehen, was er da gerade erlebte.

Es ging eine seeeehr lange Zeit mit diesen Symptomen weiter und wir vermuteten irgendwann einfach, dass er Migräne habe. Ich nahm ihm auch ab, dass er richtige Schmerzen hatte, man sah es ihm einfach an. Normalerweise ist Paddy so ein Mensch, der immer lacht und nur am Ärgern ist, aber das Ärgern und Lachen vergang ihm immer mehr. Es gab kaum Tage, an denen er nicht schlecht drauf war. Mich nervte das ein wenig an und ich war auch ein bisschen sauer auf ihn. Nach einer halben Stunde war es dann auf einmal aber wie verflogen. Er war plötzlich wieder total happy, hat mich geärgert und Witze ohne Ende gerissen. Er turnte rum und piekte Leute.

Es war eigentlich alles ganz normal. Man gewöhnte sich eben an die Tatsache, dass Paddy nun ab und an ein kleiner Muffel ist und man nicht immer so viel Spaß mehr mit ihm haben kann, wie früher. Irgendwann wurde es wirklich einfach zur Gewohnheit und man ließ es so stehen. Doch dann wurde es mit einem Schub schlimmer. Auf einmal hielten diese Verhaltensattacken länger an, zogen sich beinahe den halben Tag hin...Und was das schlimme war: Es bezog sich irgendwie immer auf mich. Keinen anderen pflaumte er so oft an. Ich dachte manchmal wirklich, er würde mich hassen und ich konnte mir einfach nicht erklären, was ich denn falsch mache. Er war ein völlig anderer Mensch in diesen Stunden. Nicht er selbst. Ein aggressiver Mensch, der scheinbar kurz vorm Austicken stand, mich einfach anschwieg und in vielen Dingen plötzlich einer vollkommen anderen Meinung war, als er es unter normalen Umständen gewesen wäre.

Ich wusste nicht wie ich damit umgehen sollte. Das war einfach nicht mehr Paddy. Es nahm mich sehr mit, dass ich immer der betroffene war, auf den diese Attacken zukamen.

Aber es wurde noch schlimmer. Auf einmal konnte Paddy nicht mehr richtig reden. Mir ist vorher schon aufgefallen, dass er auf einmal einen leichten Sprachfehler hatte. Er verschluckte Wörter, stotterte aufs übelste und verdrehte Silben beinahe in jedem Satz. Beim Sprechen musste er überlegen und wenn er schnell was sagen wollte, bekam er es längst nicht mehr hin. Danach schwieg er meistens...Vermutlich weil es ihm auffiel und weil er sich schämte. Er zog sich mehr und mehr zurück, sprach kaum noch, schaute den ganzen Tag nur noch traurig und deprimiert aus und war irgendwie in einer völlig anderen Welt.

Dann fing er an darüber zu reden, dass er das Gefühl hat, als ob etwas in seinem Kopf irgendwie nicht stimme. Er meinte, er wisse ja nicht, wie sich Hirnblutungen anfühlen - aber genau so könnte er es sich gut vorstellen. Ich war ein bisschen geschockt und sagte, er solle dann doch zum Arzt gehen, aber das wollte er nicht. Er ist eben einer von diesen Menschen, die nicht so übertreiben wollen. Auch wenn es einem oft so vorkommt, als mache er das gerne, macht er es im Grunde überhaupt nicht gerne und klagt wirklich nur, wenn es ihm auch wirklich schlecht geht.

Seit er das gesagt hatte, saß er manchmal teilweise apathisch neben mir. Er war wie...weg...Einfach nicht mehr da. Er schwankte, wenn er gerade stehen wollte und verstand viele einfache Sachen nicht. Und wenn man ihn auf einen kleinen Fehler ansprach, war er so ... ja nicht sauer...aber .... also doch er wirkte zornig und schrie: "ICH WEISS!". Wenn man ihm helfen wollte, schüttelte er einen ab und wurde kurz darauf traurig. Ah mir fällt es wieder ein, was er war. Er war kurz vorm Weinen, wenn man ihn auf Fehler ansprach. Überhaupt reagierte er seeeehr emotional auf viele Dinge. Im nächsten Moment war er aber wieder der alte und lebte ganz gut mit Kritik und ließ sich helfen......

Es war die Hölle neben Paddy. Ich wusste einfach nicht was los war und wollte ihm irgendwie einfach nur helfen, aber es ging nicht. Man wusste nie vor wem man steht...Und dann eines Tages die Diagnose:

Ein Tumor...

Deswegen die Schwankungen, die Persönlichkeitsstörung, die Aggressionen, dass er auf mich böse war (er fixierte auf mich und schwankte pro Laune von Freundschaft zu Hass, ohne es zu wollen), deswegen dieser Sprachfehler und und und... =(

Gott sei Dank ist bis jetzt alles gut gegangen...Ich könnte nicht mehr leben, wenn Paddy sterben würde =(

 

 

20.2.07 23:41
 


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